Zur interkulturellen Kompetenz:
Vor dem Hintergrund kulturell spezifischer Wissensbestände, die der Kommunikation als selbstverständlich zugrunde liegen, erscheint Kommunikation zwischen Menschen mit unterschiedlichen Wissensbeständen als besonders zerbrechlich. Karlfried Knapp folgert daraus, dass die Gefahr von MissverstŠndnissen in derartigen Situationen stark ansteigt. Missverständnisse können zunächst bei einer unterschiedlichen Interpretation der propositionalen Ebene einer Aussage auftreten (Sach- bzw. Inhaltskommunikation nach Watzlawick). Als schwerwiegender und gleichzeitig häufiger auftretend stuft Knapp jedoch Missverständnisse aufgrund unterschiedlicher Interpretationen der metakommunikativen, sozialen Bedeutung einer Aussage ein(Beziehungskommunikation nach Watzlawick). Knapp definiert eine so genannte intercultural conflict competence, eine interkulturelle Konfliktfähigkeit, die es Interaktionspartnern ermöglichen soll, Konflikte in interkulturellen Situationen vorherzusehen, ihnen vorzubeugen, und im "Ernstfall" kooperativ mit ihnen umzugehen. Innerhalb der Sozialpsychologie werden derartige Fähigkeiten häufig mit folgenden englischsprachigen Schlagworten und Eigenschaften umrissen: - display of respect: die Fähigkeit gegenüber anderen Personen Respekt sowie eine positive Einschätzung des Gegenübers auszudrücken,- interaction posture: die Fähigkeit, anderen Personen ohne Vorurteile entgegenzutreten- empathy: Empathie, die Fähigkeit, sich in andere Personen hineinzuversetzen- tolerance for ambiguity: Ambiguitätstoleranz bezeichnet die Fähigkeit, unbekannte und unsichere Situationen ohne sichtliches Unbehagen oder Irritation zu meistern.
Knapp 1998 und Knapp-Pothoff 1997 haben interkulturelle kommunikative Kompetenz auch aus linguistischer Sicht definiert. Sie verstehen dabei unter dieser Kompetenz die Fähigkeit eines Sprechers, in interkulturellen Kontaktsituationen Verstehen und Verständigung auf die gleiche Weise und mit der gleichen Qualität herzustellen wie in intrakulturellen Situationen. Konkret sprechen sie von der Fähigkeit, normalerweise unvorhersehbare Probleme in der Kommunikation, die
aufgrund von Fremdheit auftreten, zu antizipieren und zu kompensieren. Drei Komponenten erscheinen den Autoren besonders wichtig: 1. besondere Kenntnisse der kommunikativen Handlungsmuster
sowie die Fähigkeit, diese vor dem Hintergrund sowohl der eigenen als auch der Fremdkultur angemessen zu interpretieren,2. allgemeines Wissen über die Art des Verhältnisses zwischen
Kultur und Kommunikation (insbesondere die Abhängigkeit menschlichen Denkens und Handelns von kulturspezifischen kognitiven Schemata). ein
Vorrat an interaktionsstabilisierenden Strategien (z. B. um eine gemeinsame Basis auf der Beziehungsebene zu entwickeln oder um Irrtümer auf metakommunikativer Ebene wiedergutzumachen.
Nicht nur international agierende Wirtschaftsunternehmen, sondern auch immer mehr gemeinnützige Organisationen, Bildungseinrichtungen, etc. werden sich zunehmend der Problematik interkultureller Kommunikation bewusst und über eine wachsende Nachfrage von Maßnahmen, die ihren Mitarbeitern dazu verhelfen, eine höhere interkulturelle kommunikative Kompetenz zu erlangen. Den Wissenschaften fällt dabei die Aufgabe zu, ihre gewonnenen Kenntnisse in didaktische Materialien zu transferieren und umzusetzen. Dies geschieht derzeit größtenteils in Form von Implementierungen in
Lehrbücher im Fremdsprachenunterricht sowie in Form von meist mehrtätigen interkulturellen Trainingsseminaren. Knapp 1998 zitiert dabei drei unterschiedliche Trainingsansätze aus Landis/Brislin 1983:
- Informationsorientierte Trainings vermitteln Allgemeinwissen über die Kultur und kommunikative Eigenheiten eines einzelnen, ausgewählten Ziellandes.
- Trainings zur interkulturellen Sensibilisierung simulieren konkrete Kontaktsituationen. Die Teilnehmer werden Schritt für Schritt fremd anmutenden Situationen ausgesetzt, die als charakteristisch für die jeweilige Zielkultur erachtet werden. Die Teilnehmer müssen dabei experimentell unterschiedliche kommunikative Strategien in der Situation
ausprobieren und lernen, deren Erfolgsaussichten zu beobachten.
- Interaktionsorientierte Trainingsbringen Teilnehmer aus unterschiedlichen Kulturen miteinander in realen Kontakt. In diesen Situationen erlernen die Teilnehmer interkulturell kooperatives, kommunikatives Verhalten und internalisieren es gleichzeitig aufgrund
der realen übungssituation.
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